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Welche Abzüge liegen zwischen Brutto- und Nettolohn?

Welche Abzüge liegen zwischen Brutto- und Nettolohn?

Alle arbeitenden Personen der Gesellschaft verbindet ein großes Ärgernis: die Abgaben, die vom Bruttolohn abgezogen werden und somit das tatsächliche Einkommen deutlich verringern. Doch welche Leistungen werden abgezogen und wie ergibt sich schließlich der Nettolohn?

Das Wichtigste in Kürze

  • Abzüge vom Bruttogehalt durch Einkommensteuer und Sozialleistungen
  • Fast 20 % vom Bruttogehalt für Sozialleistungen = Arbeitnehmeranteil für Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung, Krankenversicherung
  • Einkommensteuer: Eingangssteuersatz von 14 %, Spitzensteuersatz von 42 %, Reichensteuer von 45 %
  • ab 2021 kein Solidaritätszuschlag mehr für 90 % der Steuerzahler
  • außerdem zu beachten: vermögenswirksame Leistungen, geldwerter Vorteil, Altersentlastungsbetrag, Freibeträge

 

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Inhaltsverzeichnis: 

Die Zusammensetzung der Abzüge 
Sozialleistungen 
Steuern
Ermittlung des Nettolohns
Häufige Fragen zu Brutto- und Nettolohn


Die Zusammensetzung der Abzüge

Den meisten wird bekannt sein, dass unter anderem die Lohnsteuer vom Bruttogehalt abgezogen wird. Die Höhe des abgezogenen Betrages ist abhängig vom Einkommen, der eigenen Lebenssituation und der sich daraus ergebenden Lohnsteuerklasse. Allerdings werden nicht nur Steuern vom Gehalt abgezogen. Ganze 20 % Ihres Lohns werden für Sozialleistungen fällig und sind somit zu Ihrer eigenen Absicherung.

Die Zahlen und Prozentsätze in der nachfolgenden Auflistung gelten seit dem 01.01.2020.

Sozialleistungen

Die Summe der Sozialleistungen setzt sich aus unterschiedlichen Einzelzahlungen zusammen. Es werden 20 % des Bruttolohns abgezogen, was allerdings nur dem Arbeitnehmeranteil entspricht. Ihr Arbeitgeber zahlt zusätzlich den gleichen Anteil, wodurch sich der tatsächlich eingezahlte Betrag verdoppelt.

  • Krankenversicherung: 7,3 % (insgesamt 14,6 % mit dem Anteil des Arbeitgebers)
    manche Kassen erheben zusätzliche Beiträge, diese werden ebenfalls vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt.
  • Pflegeversicherung: 1,525 % für Arbeitnehmer mit Kindern, dieser Betrag erhöht sich auf 1,775 % für Arbeitnehmer ohne Kinder, (insgesamt 3,05 %, bzw. 3,3 %)
  • Rentenversicherung: 9,3 % (insgesamt 18,6 %)
  • Arbeitslosenversicherung: 1,2 % (insgesamt 2,4 %)

 

Steuern

Wie bereits erwähnt, besteht der zweite Teil der Abzüge aus Steuerzahlungen. In diesem speziellen Fall handelt es sich dabei um die sogenannte Lohnsteuer. Abhängig vom eigenen Einkommen und der Lohnsteuerklasse fällt die Höhe der Zahlungen unterschiedlich aus:

  • Der Eingangssteuersatz ist aktuell bei 14 %.
  • Der Spitzensteuersatz liegt bei 42 % und gilt ab einem zu versteuernden Einkommen von 57.052 Euro. Bei Ehepaaren gilt der doppelte Wert.
  • Seit 2007 und dem Beschluss der sogenannten Reichensteuer gibt es einen Steuersatz, der noch über dem Spitzensteuersatz liegt. Ab einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 270.501 Euro, bzw. 541.002 Euro bei Ehepaaren, werden 45 % des Bruttolohns als Lohnsteuer abgezogen.
  • Der Solidaritätszuschlag beträgt bis zu 5,5 % der Einkommensteuer; dieser wird erhoben, sofern die Einkommensteuer mehr als 972 Euro im Jahr bzw. 1.944 Euro bei Zusammenveranlagung beträgt und erhöht sich schrittweise, so dass der volle Betrag erst bei einer jährlichen Einkommensteuer in Höhe von 1.340 Euro bzw. 2.680 Euro abzuführen ist.
    Hierzu gibt es aber richtig gute Nachrichten: Seit Beginn des Jahres 2021 entfällt der Solidaritätszuschlag für ca. 90 % der Steuerzahler. Konkret bedeutet dies, dass bis zu einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von ca.  61.717 Euro kein Solidaritätszuschlag mehr zu zahlen ist. Für Ehegatten verdoppeln sich die Beträge.

 

Ermittlung des Nettolohns

Die Höhe Ihres eigenen Nettolohns können Sie kostenlos mithilfe unseres Brutto-Netto-Rechners berechnen, indem Sie einfach die Angaben Ihres Steuerfalles eintippen und die Berechnung starten.

Bei der Ermittlung des Nettoeinkommens sollten Sie auch noch weitere Beträge berücksichtigen. Dazu zählen:

  • Vermögenswirksame Leistungen als Zahlungen vom Arbeitgeber, zusätzlich zum normalen Einkommen. Vermögenswirksame Leistungen sind steuer- und sozialabgabenpflichtig, die fälligen Beträge werden sofort vom Lohn abgezogen.
  • Geldwerter Vorteil aufgrund extra Vergünstigungen von Ihrem Arbeitgeber. Diesen Vorteilsbetrag müssen Sie versteuern, sobald er über der gesetzlichen Freigrenze von 44 Euro im Monat liegt. Es sind allerdings nicht alle Sonderleistungen betroffen.
  • Altersentlastungsbetrag gibt es für Steuerpflichtige über 64 Jahren, diese erhalten eine kleine steuerliche Vergünstigung.
  • Freibeträge, in Abhängigkeit von der jeweiligen Steuerklasse. Diese können beispielsweise für die Ausbildung oder Betreuung von Angehörigen oder Kindern direkt beim Finanzamt beantragt werden.

Häufige Fragen zu Brutto- und Nettolohn

Wie hoch ist mein Steuersatz?

  • Aktuell liegt der Eingangssteuersatz bei 14 % und der Spitzensteuersatz bei 42 %. Je nach Höhe Ihres Einkommens wird sich der entsprechende Steuersatz zwischen diesen beiden Grenzen bewegen.
  • Wegen der Einführung der Reichensteuer gibt es noch einen weiteren Steuersatz von 45 %, dieser gilt allerdings erst ab einem zu versteuernden Einkommen von über 270.501 Euro.
  • Ab einer  Einkommensteuer von mehr als 972 Euro im Jahr bzw. 1.944 Euro bei Zusammenveranlagung, wird der Solidaritätszuschlag erhoben. Dieser erhöht sich schrittweise, der volle Betrag ist folglich erst ab einer jährlichen Einkommensteuer in Höhe von 1.340 Euro bzw. 2.680 Euro abzuführen.

Was wird vom Bruttolohn abgezogen und in welcher Höhe?

  • Für alle Sozialleistungen werden in Summe 20% des Bruttoeinkommens abgezogen.
  • Die Höhe der zu zahlenden Lohnsteuer ist abhängig vom Gehalt und der eigenen Lohnsteuerklasse.
Über den Autor:
ALH Steuerexperten

Der Altbayerische Lohnsteuerhilfeverein e.V. ist seit 1992 bundesweit tätig. In über 350 Beratungsstellen betreuen die Beratungsstellenleiter:innen unseres Vereins die circa 78.000 Vereinsmitglieder im Rahmen der Beratungsbefugnis begrenzt nach § 4 Nr. 11 StBerG. Die Steuerexperten unserer Hauptverwaltung stehen mit ihrem umfangreichen Wissen bei Fachfragen zur Seite und organisieren regelmäßige Steuerseminare, um unsere Berater:innen über die aktuellsten Änderungen und Besonderheiten im Steuerrecht zu informieren. Demzufolge können unsere Experten schwierige Sachverhalte interessant aufbereiten und verständlich an andere weitergeben, wodurch sie unseren Mitgliedern deutschlandweit kompetente Beratung ermöglichen.